Benjamin Raffeiner – Oberraindlhof

Mit dem Gastgeber des Oberraindlhofs auf Wildschau

Benjamin Raffeiner macht freiwillig, wozu Schulkinder meist nur unter Androhung unangenehmer Konsequenzen zu bewegen sind: Er steht vor Sonnenaufgang auf. Zur Ehrenrettung aller Schulkinder muss erwähnt sein, dass Benjamin 29 Jahre alt ist und ein aufregendes Tagesziel hat. Er will Alpentiere in freier Wildbahn beobachten und darum mit dem ersten Licht draußen sein. Draußen: Das ist das Schnalstal in Südtirol, wo Gastgeber-Familie Raffeiner 1500 Meter über dem Meer den Oberraindlhof führt. „Manche denken, wer in den Bergen lebt, sieht die Schönheit der Natur gar nicht mehr richtig“, wundert sich Benjamin. „Aber ich bin immer aufs Neue begeistert, was es hier zu entdecken gibt, manchmal schon zwei Meter neben dem Haus.“ Gleich am Hotel begegnet er frühmorgens oft einem Hasen oder Reh. 200 Meter höher kann man die ersten Gämsen beobachten oder mit Glück einen Steinbock. Oberhalb der Baumgrenze leben dann die Murmeltiere. „Die halten aber jetzt, im März, noch Winterschlaf“, erklärt Benjamin.

Y wie Hase

Erst zum Ende des Bergwinters werden sie – mit deutlich schlankerer Silhouette als im Herbst – aus ihren Bauten klettern. Höchste Zeit, auf Almwiesen junge Triebe zu suchen und sich neue Fettreserven anzufressen! Murmeltierspuren im Schnee wird Benjamin also heute nicht finden, dafür aber Abdrücke von ganzjährig hellwachen Hasen. „Hier erkennt man die typische Y-Form“, deutet Benjamin auf eine Vertiefung. Auch Spuren von Rehen oder Gämsen kann der ausgebildete Jungjäger sicher unterscheiden. Im Moment haben die Tiere von Grünröcken nichts zu befürchten, denn im Winterhalbjahr herrscht Schonzeit. Statt auf Pirsch zu gehen, befüllen Jäger geschützte Futterstellen, denn das natürliche Nahrungsangebot ist knapp. „Manchmal schleppen wir das Heu vom befahrbaren Weg eine halbe Stunde per Hand“, sagt Benjamin, während er einen Ballen Richtung Holzraufe hievt. Er achtet immer darauf, die Ruhe der Tiere möglichst wenig zu stören. Jede Flucht kostet Energie, die das Wild zum Überdauern der kalten Monate dringend benötigt. Sein Tipp für Winterwanderer: „Wer auf den Wegen bleibt und sich in normaler Lautstärke unterhält, wirkt weniger bedrohlich und bekommt mehr Tiere zu sehen.“

Zählen statt jagen

Aber mal Hand aufs Herz, will ein Jäger nicht auch jagen? „Ich erlege nur drei oder vier Tiere im Jahr, häufig alte oder kranke“, erzählt Benjamin. Zu den Grundaufgaben eines Jägers gehört auch das gezielte Erlegen einzelner Tiere. Es sichert, so Benjamins Überzeugung, auf Dauer gesunde Tierbestände und verhindert, dass manche Arten auf Kosten anderer überhandnehmen. „Die weitaus meiste Zeit verbringe ich aber mit anderen Dingen“, lacht Benjamin, während er durch ein Fernrohr schaut. Im Moment freut er sich auf die anstehende Zählung von Gämsen und Steinböcken. „Dann gehen wir mit etwa 70 Kollegen bis auf 3000 Meter, weil das Steinwild sehr hoch klettert.“ Fast 1000 Gämsen haben sie letztes Jahr gezählt und über 250 Steinböcke. Dieses Jahr werden es eher noch mehr: „Unsere Steinbock- Kolonie rund um die Weißkugel wächst weiter.“ Nicht nur wegen der Freude darüber in seiner Stimme merkt man deutlich: Benjamin Raffeiner liebt „seine“ Berge. Für ihn ist ein Tag in der Natur der perfekte Ausgleich zur Arbeit im Oberraindlhof. „Hier oben ist oft kein Mensch weit und breit. Absolute Stille, rundum nur Natur: Das ist einfach ein grandioses Gefühl!“


Tief verbunden mit seiner Heimat

Benjamin Raffeiner wurde 1987 im Schnalstal geboren. Er war vier Jahre alt, als ans Tageslicht kam, was die Region international bekannt machte: Ötzi, die Mumie vom Schnalstaler Gletscher. Sie liegt heute im Archäologischen Museum in Bozen. Benjamin liebt an den Bergen ihre imposante Ruhe. Zugleich ist er im Oberraindlhof mit seinen Eltern Elisabeth und Helmuth sowie seinem Bruder Patrick gerne nah an den Menschen. Als Gastgeber und Sommelier werden Sie ihm eher in einer blauen Südtiroler Schürze als im Jägerrock begegnen.

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