Mobil kreativ – mit dem Tablet unterwegs

Mit den passenden Apps lassen sich Tablet und Smartphone künstlerisch-kreativ nutzen.

Tablets und Smartphones sind ein Streitthema in vielen Familien. Wie Kinder und Jugendliche die Geräte musikalisch-künstlerisch-kreativ nutzen können, vermittelt Musikpädagogin Frauke Hohberger in Workshops für Kinder, Lehrer und Erzieher. In ihrem Gastbeitrag gibt sie einen Einblick in ihre Herangehensweise.

Vorweg gesagt: Ich wünsche mir wenig eindringlicher, als dass Musik weiterhin mit hämmernden Tasten, schreienden Kehlen, leidenschaftlichen Soli, klatschenden Händen, tanzenden Füßen und scheppernden Drums, mit knarrenden Kisten, singenden Gläsern und herzerwärmenden Kinderstimmen zu tun hat. Es soll geatmet, geschwitzt, gelacht und gelebt werden. Geweint, getaumelt, bewegt und berührt.

Auch das Malen mit Stiften und Farben, mit großen Pinseln und vielleicht auch großen Gesten, mit einer Riesensaurerei einhergehend, bei der Maler, Bild und Raum eins sind, – auch das soll bitte niemals aufhören. Ebenso wenig, dass aus Klorollen aller Herren Länder Pinguine, Eifeltürme und Osterhasen entstehen. Ja, natürlich mit einer Schere oder einem Teppichmesser oder was immer sich dafür eignet.

Das Tablet sicher nicht. All die uns auf allen Ebenen zu vollständigen, feinmotorisch eleganten und im Hirn gut vernetzten Wesen machenden Fähigkeiten sollen bitte niemals durch ein Wischen über eine Glasplatte ersetzt werden.

Klänge sammeln, Farben und Formen einfangen

Doch genauso wenig möchte ich es mehr missen mit der Glasplatte und der dazugehörigen Technik in Spitzenqualität unterwegs zu sein, um Klänge zu sammeln, um mithilfe der Aufnahmetechnik in die Natur hineinzuhören und um mit einer hochwertigen Kamera Farben, Formen und andere Motive auf Reisen und Ausflügen einzufangen. Und dann mit beidem jede Reise in der Nachbearbeitung zu verlängern, indem ich aus den Klängen Musik gestalte und mit den gefundenen Farben neue Bilder male. Intuitiv, mobil und sinnlich.

Alles soll bitte weiterhin zur Verfügung stehen. Nichts durch etwas Anderes ersetzt werden, sich bestenfalls gegenseitig bereichern. Wie wärs mit einem Comic oder einem Movie über Pinguine, die am Eiffelturm mit Osterhasen spielen? 😉

Mit offenen Augen und Ohren auf Reisen gehen

Seit einigen Jahren beschäftige ich mich intensiv mit Musik-Apps und mit Apps zur kreativen Bildbearbeitung. Spielerisch, leicht, intuitiv. Ich gehe mit offenen Augen und Ohren auf Reisen, gehe spazieren oder einfach nur mal ins Lieblingscafé in der Stadt. Ich suche nicht nach Themen oder Motiven, sie breiten sich vor mir aus, überraschen mich an einer Straßenecke oder springen mich an wie junge Hunde, die spielen wollen. Meistens irgendwo in der Natur. Und ich bin bereit: mobil, spontan und technisch bestens gerüstet. Ich nehme auf.

„50 Shades of Green“

Wie beispielsweise neulich auf La Gomera. Plötzlich war ich mit „50 Shades of Green“ beschäftigt. Ich machte etwa 300 Fotos von Grüntönen der immergrünen Insel, erstellte daraus mit ausgewählten Apps collagenhaft meine Farbpalette und begann darin zu malen.

Jede Wanderung wurde ein farbberauschtes Ereignis, jeder Abend zu Hause ein erneutes Versinken in den Farben des Tages mit vielen Überraschungen und Entdeckungen im Detail. Das Gespür für Farben und Formen wird geschult, die Sinne geschärft. Die einzige kreative Grenze bin ich selbst.

Dieses Video zeigt den Verlauf bei 12 Motiven vom Foto über die Collage zum Gemälde. Die Musik dazu komponierte ich intuitiv in der App PlayGround.

Auch schön: „Die Transformation des Goldfasans“

Fotografiert mit der Canon Powershot. Bearbeitet in der App Circular.

Das Tonstudio im Handtaschenformat

Musikalisch gehe ich genauso vor. Seit Jahren sammle ich Sounds auf meinen Reisen, habe meterweise gespeicherte Aufnahmen, die ich nie weiter bearbeitet habe – zu kompliziert wäre alles geworden. Doch wofür ich früher ein Studio und viele Musiker gebraucht hätte, reicht jetzt zunächst mein Tablet. An Ort und Stelle kann ich musikalische Skizzen entwerfen, mit den aufgenommenen Klängen spielen, sie rhythmisieren , pitchen, neu zusammensetzen und mit allen erdenklichen “ Instrumenten“ neu komponieren.

So singen in manchen Produktionen mal röhrende Hirsche, mal Frösche oder Grillen die Hauptstimmen.

Sehen, hören, fühlen – kreativ sein

Ob Bilder oder Musik – es sind immer Experimente. Prozesse, in denen das sinnliche Erleben im Hier und Jetzt im Fokus steht, nicht das Ergebnis. Vieles entsteht auch ganz zufällig beim Entdecken einer neuen App im „Versuch-und-Irrtum-Modus“.

Sehen, hören, fühlen. Innen und außen. Verändern, bewegen, loslassen, festhalten. Überrascht werden. Kreativ sein.

Das Erfüllende für mich an dieser Arbeit ist: Ich bin unentwegt „in Touch“ – mit mir und meiner Umgebung, mit meinen Sinnen und den visuellen und akustischen Wahrnehmungen und Einflüssen – und ja: auch mit einer Glasplatte. 😉

Workshop bei vamos: Die Welt mit anderen Ohren sehen

Falls jemand Lust bekommen hat: Nach einem Laborworkshop im letzten Herbst im Hotel Likithos in Griechenland wird es bei vamos im Sommer erneut einen Kreativ-Workshop mit Mobile Devices geben: „Musik mit Apps – die Welt mit anderen Ohren sehen“ – vom 8. bis 15. Juli im Feriendorf La Conchiglia in Italien. Vielleicht sehen wir uns und hören und staunen. Ich freue mich drauf!


Frauke Hohberger

… ist freie Musikpädagogin mit den Schwerpunkten Rhythmus & Percussion, Songwriting für Kinder und Musik mit Apps. In „Farb:Ton Natur“ verbindet sie Musik, Kunst und Natur zu kreativen Synergien. Sie komponiert und arrangiert, ist als Dozentin, Ensembleleitung und Autorin tätig, gibt Fortbildungen und Workshops für Kinder, Lehrer und Erzieherinnen und spielt und singt in verschiedenen Bands und Projekten.
www.musik-zieht-immer.de

Das Buch "Selfie mit Löwenzahn" gibt viele Tipps zum digitalen und kreativen Entdecken der Natur.Buchtipp: „Selfie mit Löwenzahn“

Viele Ideen zum Thema digitales und kreatives Entdecken der Natur beschreiben Frauke Hohberger und Rita Lüder in ihrem Buch „Selfie mit Löwenzahn“, das im Frühjahr 2016 im Haupt Verlag erschienen ist. Es macht Vorschläge für Gruppenaktionen, enthält viele wissenswerte Naturgeschichten und eine Liste ausgewählter Apps.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.