Zur Schule durch Kälte und Schnee: Gastgeberin Anna Gross erzählt

Zu Fuß zur Schule gehen zu jeder Jahreszeit – das war in den Alpen bis vor wenigen Jahrzehnten ganz normal. Trotz großer Höhenunterschiede, Schnee und Kälte. Anna Gross, Gastgeberin im Feuerstein Nature Family Resort, erzählt: wie sie im Winter ihren Schulweg meisterte und was sie dabei fürs Leben lernte.

Das Sarntal in Südtirol ist fast bis zur Waldgrenze besiedelt. Auf einem dieser hochgelegenen Höfe war ich zu Hause. Zu meiner Schulzeit, Anfang der Siebzigerjahre, gab es noch keine befahrbare Straße und es war selbstverständlich, dass wir ohne Eltern zu Fuß zur Schule gingen: 4,5 Kilometer weit bei etwa 500 Meter Höhenunterschied, was jeden Tag mehr als zwei Stunden pro Strecke dauerte.

Im Dunkeln hin, im Dunkeln zurück

Heute steigt Anna Gross freiwillig auch im Winter auf die Gipfel, zum Beispiel bei Skitouren mit den Gästen des Feuerstein

Es war oft noch dunkel, wenn wir über einen Karrenweg, den man heute als Wanderweg kennt, ins Dorf liefen. Bei guten Schneeverhältnissen durften wir mit dem Schlitten fahren, das ging schnell, gab aber manchen Sturz. Schlimm war die Kälte. Unsere Ausrüstung bestand hauptsächlich aus selbst gestrickten Schafwolljacken, Handschuhen und Socken, außerdem Keilhosen, Bergschuhen und für uns Mädchen ein Kopftuch. Daher waren wir froh, wenn wir uns bei der morgendlichen Schülermesse in der Kirche auf das Heizgitter stellen konnten. Die Schulzeit ging von 8 bis 15 Uhr, danach war es oft schon wieder dunkel. Der Rückweg war streng und lang. Außer der Schultasche hatten wir oft noch Einkäufe zu tragen und im Winter die Rodel zu ziehen.

Lachen, weinen, weitergehen

Wir haben Abkürzungen ausprobiert, die Schritte gezählt, gelacht und geweint, uns gefreut und manchmal auch gefürchtet. Wenn wir zu Hause unsere Hände und Füße aufwärmten, schmerzte das ganz furchtbar, daran erinnere ich mich heute noch. Durch diese extremen Bedingungen haben wir uns aber eine sehr gute Kondition angeeignet und eine Selbstverständlichkeit, was Pflichten anbelangt. Für den späteren Lebensweg hat es uns bestimmt geholfen.